Quartier Ku’damm Tauentzien

Der Shoppingboulevard rund um Ku’Damm, Tauentzien und Breitscheidplatz ist das traditionsreichste und vielfältigste Einkaufsviertel von Berlin. Dabei unterlag er im vergangenen Jahrzehnt einem Strukturwandel. Viele der über Generationen hinweg persönlich geführten Läden und Geschäfte mussten schließen und internationalen Filialisten Platz machen. 50 Prozent der Retail-Flächen wurden im Zuge dessen neu vermietet.

BID_KaDeWe
Bild: Photo Huber

Strukturwandel im Handel

Eine Ursache für diesen Veränderungsprozess ist die um sich greifende Digitalisierung des Handels. Damit verbunden ist auch ein verändertes Freizeitverhalten von Besuchern in Innenstadtlagen. Nur ein Beispiel: Der Online-Handel verzeichnet seine umsatzstärkste Zeit in der Regel an Sonntagen, wenn die Geschäfte geschlossen sind. Hingegen der stationäre Handel erwirtschaftet seine überlebenswichtigen Umsätze beinahe ausschließlich an Freitagen und Samstagen – der Besucherstrom lässt an einfachen Wochentagen auf sich warten.

Der stationäre Handel der Innenstädte verliert seine Bedeutung für die Deckung des täglichen Bedarfs. An seine Stelle treten Nahversorger in den Wohngebieten und eben der Handel im Internet. Das Shoppen in der Stadt wird umdefiniert als Freizeitbeschäftigung – und buhlt so um das rare Gut „Zeit“ bei seinen Kunden in einem Feld mit Freizeitstätten wie Museen, Theatern, Zoo- und Freizeitanlagen. Die Innenstädte müssen dieser neuen Erwartungshaltung mit eigenen Konzepten begegnen, die in ihrem Angebotsmix der Bedürfnisstruktur von Besuchern entgegenkommen und der Sehnsucht nach Aufenthaltsqualität und einer stressfreien Umgebung Rechnung tragen.

Wettbewerb der Shopping-Areale

Im Wettbewerb der Städte untereinander wird Shopping zu einem entscheidenden Attraktivitätsfaktor für Besucher aus dem In- und Ausland. Dabei geraten viele Innenstädte in die Falle der Standardisierung durch Vermietung an die immer gleichen Filialisten, durchsetzt mit Angeboten der System-Gastronomie. Einstmals attraktive Gegenden zum Bummeln und Verweilen werden untereinander austauschbar und letzten Endes überflüssig. Weiterhin konkurrieren die Einkaufsstraßen mit den Shopping-Centern, insbesondere in Berlin, wo der Wettbewerb mit 67 Shopping-Centern extrem ausgeprägt ist.

Doch Wettbewerb herrscht nicht nur im Bezug auf die Besucher. Auch Retailer müssen sich bei ihrer Standortwahl entscheiden. Ihre Entscheidungskriterien sind herausragende Besucherfrequenz sowie das Image und die vorhandene und die potentielle Kundenstruktur des Standorts.

Ein Standort mit einzigartigen Bedingungen

Neben den weltweiten Trends im Handel sind die speziellen Gegebenheiten des Boulevards Kurfürstendamm & Tauentzienstraße zu berücksichtigen.

Der Name Kurfürstendamm hat national und international einen sehr hohen Bekanntheitsgrad. Vermutlich ist dieser in den westlichen Ländern höher als im asiatischen Raum. Mit dem Namen verbinden die meisten das Bild eines grünen, großzügigen Boulevards von historischer Bedeutung.

Mit 4,2 km Länge liegt er im Vergleich zu den Einkaufsstraßen der Welt an der Spitze und ist zu Fuß entspannt kaum zu erschließen.

Da sich die Kunden auf einem relativ großen Abschnitt verteilen, ist die Kundenfrequenz – die Anzahl der Passanten je Stunde – im Vergleich zu anderen Einkaufsstraßen in manchen Abschnitten eher gering.

Das Potential der Handelsflächen liegt bei ca. 400.000 m² und verteilt sich auf 250 Adressen. Dabei befinden sich über 50% der Fläche in fünf der großen und bekannten Warenhäuser und Shopping-Center: KaDeWe, P&C, Europa-Center, Karstadt und Kranzler Eck Berlin.

Bis auf die vorgenannten Häuser bieten die meisten Gebäude Handelsflächen nur im Erdgeschoss, also auf Straßenniveau, an. Der Nachfragedruck auf Flächen in den oberen Etagen ist eher gering.

Der Jahresumsatz in dem Bereich Tauentzienstraße & Kurfürstendamm wird auf 1,5 Mrd. Euro geschätzt. Davon wird etwa die Hälfte durch Kunden gewonnen, die Berlin besuchen. Die Gäste kommen sowohl aus dem Ausland.

Die im Projektstadium befindlichen Objekte suchen neue Mieter für bis zu 120.000 m². Selbst unter Berücksichtigung des Umstandes, dass ein Teil der Flächen an den Standorten schon genutzt war, beträgt der Nettozuwachs ca. 80.000 m². Das bedeutet einen Zuwachs von über 25 % an Einzelhandelsfläche.

Hohe Vielfalt, kleinteilige Gliederung

Der gesamte Boulevard teilt sich in folgende unterschiedliche Welten auf:

  • Konsum-Lage: Wittenbergplatz bis Joachimsthaler Straße; vornehmlich young fashion Stores und Kaufhäuser sowie Shopping-Center; sehr hochfrequenter Abschnitt
  • Wertiger Bereich: Joachimsthaler Straße bis Uhlandstraße; mittlere Frequenz mit einem Mix von Geschäften und Luxusboutiquen
  • Niveau-Lage: Uhlandstraße bis Olivaer Platz; hochpreisige Geschäfte und Luxusboutiquen; geringere Frequenz

Der Abschnitt ab Olivaer Platz bis Rathenauplatz ist geprägt durch kleinere Geschäfte des Mittelstandes und durch inhabergeführte Läden.

Das Luxus-Kaufhaus KaDeWe befindet sich im Umfeld der Konsumlage. Bekannte Luxus-Brands sind oft sowohl in dem Shop-in-Shop Bereich des KaDeWe, als auch in Flagship Stores im Bereich zwischen Bleibtreustraße und Olivaer Platz vertreten.

Von großer Bedeutung und die Kurfürstendamm-Region prägend sind die zahlreichen Seitenstraßen. Diese Straßen, zum Teil den Boulevard kreuzend, zum Teil parallel verlaufend, erstrecken sich gesamt über eine Länge von rund 40 km mit über 200 Geschäften, Gaststätten und einer überwältigenden Vielfalt an Angeboten. Dieser Bereich zeichnet sich durch einen sehr hohen Wohnanteil aus. Ein Umstand, der sich aus der Geschichte der Insellage der Stadt nach dem Kriege ergibt und für eine internationale Metropole einzigartig ist.

Der Kurfürstendamm ist heute bereits international konkurrenzfähig, obwohl die Kaufkraft der Berliner noch weit unterhalb des Niveaus vergleichbarer Städte in Deutschland oder Europa liegt und innerhalb Berlins durch die dezentrale Struktur (Einkaufsstraße Friedrichstraße, Alexanderplatz, Hackescher Markt sowie aktuell 67 Shopping-Center) ein erhebliches Angebot an Handelsflächen vorhanden ist.

Eine kreative und intelligente Strategie für den Kurfürstendamm, die sowohl auf die Megatrends im Handel, als auch auf die spezielle Situation abzielt, kann die derzeitigen Anzeichen von stagnierenden Umsätzen auffangen und wieder in ein langfristiges Wachstum überführen.

Download SWOT-Analyse der City West 

Vision für die City West

Die Geschäftslage rund um den Kudamm hat das Potenzial, zur weltweit bekannten Marke für Innenstadt-Shopping zu werden und dauerhaft zu bleiben. Eine Marke, die in einem Atemzug mit Champs Elysees, Oxford Street oder 5th Avenue genannt wird. Innerhalb Berlins kann und muss eine Alleinstellung bei Aufenthaltsqualität, Angebotsmix und Qualität der Infrastruktur erreicht werden. Der erste geplante Business Improvement District hat das Ziel, zu einer Verbesserung der Standortqualität beizutragen, indem Maßnahmen zum Vorteil der Gewerbetreibenden am Standort konzentriert und auf einander abgestimmt werden. Auf diese Weise soll der BID dabei helfen, den Wert der Immobilien am Standort zu sichern und den öffentlichen Raum insgesamt aufzuwerten. Der Standort City West wird im Sinne der Gewerbetreibenden vor Ort und mit Unterstützung der öffentlichen Hand gemeinschaftlich vermarket und so in seiner Außenwahrnehmung gestärkt.